Mittwoch, 24. Juni 2020

„Tönnies“ und der Südtiroler Speck: „Engpass nicht ausgeschlossen“

Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies beherrscht wegen eines massiven Coronavirusausbruchs die Schlagzeilen. Die Großmetzgerei ist auch in Südtirol nicht unbekannt: MPreis hat bis vor kurzem Fleisch von Tönnies bezogen genauso wie Südtiroler Speckhersteller. Mittlerweile seien die Lieferungen aber gestoppt worden, und für die Verbraucher habe es sowieso nie einen Grund zur Sorge gegeben, erklärt Matthias Messner, Direktor des Speckkonsortiums, gegenüber STOL.

Matthias Messner, Direktor des Speckkonsortiums.
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Matthias Messner, Direktor des Speckkonsortiums. - Foto: © DLife
STOL: Herr Messner, Tönnies liefert Fleisch auch an Südtiroler Betriebe, die Speck und Wurst herstellen. Die Rede ist von 6 Prozent.

Matthias Messner: Das stimmt. Bis Ende Mai stammten weniger als 6 Prozent der Menge von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen. Es handelte sich um rund 175.790 Schweineschlegel aus Deutschland. Beim Wareneingang wurden der Zuschnitt, der Fettanteil, die Temperatur und der pH-Wert des Fleisches überwacht und erst dann für die weitere Verarbeitung freigegeben. Die Lebensmittelsicherheit hat dabei oberste Priorität. Die Ware hat die Qualitätsvorschriften erfüllt.

STOL: MPreis hat mitgeteilt, dass nach Bekanntwerden des Coronsausbruchs die Auslieferung der betroffenen Waren „vorsorglich“ gesperrt worden sei. Wie sieht es in Südtirol aus?

Messner: Aktuell erfolgen keine Lieferungen mehr von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Der Betrieb wurde für 2 Wochen geschlossen und die Lieferungen gestoppt.

STOL: Das Tönnies-Fleisch an sich ist aber nicht kontaminiert, oder?

Messner: Das ist korrekt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in einer Studie bestätigt, dass es keine Hinweise gibt, dass es durch den Verzehr von Lebensmitteln, wie Fleisch und daraus hergestellten Produkten zu einer Infektion des Menschen kommt.

STOL: Wie viel Speck stellt Südtirol im Jahr her?


Messner: 2019 wurden 7,1 Millionen Hammen Speck in Südtirol verarbeitet, davon haben rund 41 Prozent die Qualitätskriterien „Südtiroler Speck g.g.A.“ erfüllt. Im Vergleich dazu werden in Südtirol jährlich etwa 8000 Schweine geschlachtet. Die europäische Ursprungsbezeichnung „Südtiroler Speck g.g.A.“ steht für geprüfte Qualität auf allen Produktionsstufen. Eine unabhängige Kontrollstelle überwacht deren Einhaltung laufend. Der Südtiroler Speck mit der Bezeichnung „g.g.A.“ ist ein streng kontrolliertes und sicheres Qualitätsprodukt.

STOL: Woher kommt das restliche Fleisch für Südtiroler Speck?

Messner: Das Fleisch für die Herstellung des Südtiroler Specks stammt aus anerkannten Betrieben der Europäischen Union, die laufend von den Kontrolleuren des unabhängigen Kontrollinstituts IFCQ überprüft werden. Im Fokus steht dabei die einzigartige Verarbeitung, die bei Produkten mit geschützter geografischer Angabe von der EU geregelt wird. 2019 kamen 70 Prozent der Ware aus Deutschland, 20 Prozent aus Niederlanden, 7 Prozent aus Italien und die restlichen 3 Prozent aus Österreich und Belgien. Südtiroler Bauernspeck (der aus Südtiroler Schweinefleisch gemacht wird, Anm.d.Red.) hat 2019 rund 0,02 Prozent ausgemacht.

STOL: Ist mit einem Engpass in Hinblick auf die Speck- und Wurstwaren-Produktion zu rechnen?


Messner: Die Situation ist aktuell angespannt und ein Engpass kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.

STOL hat über Tönnies' Fleisch und den Weg nach Südtirol berichtet.

Interview: Verena Stefenelli

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