HGJ-Obmann Daniel Schölzhorn über Betriebsübergaben im Tourismus, über eine Aufbruchsstimmung und über notwendige Veränderungen.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Schölzhorn, in vielen Hotel- und Gastbetrieben in Südtirol stellt sich momentan und in den kommenden Jahren die Frage der Betriebsübernahme durch die junge Generation. Viele Wirtschaftszweige haben diesbezüglich Schwierigkeiten. Wie sieht es im Gastgewerbe aus?</b><BR />Daniel Schölzhorn: Es finden zurzeit viele Betriebsübernahmen im Land statt. Und es ist ein Umdenken festzustellen. Die junge Generation hat viele neue Ideen und Konzepte, die sie einbringen will, vor allem aber geht sie den Weg der Qualität und weniger der Quantität. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Schölzhorn: Bei den jungen Unternehmern in unserer Branche ist zu beobachten, dass sie nicht unbedingt auf mehr Betten im Betrieb setzen sondern auf die Qualität der bestehenden Betten und auf die Qualität der Dienstleistungen. Das ist ein Trend, der generell im Alpenraum zu beobachten ist und die Junge Generation ist diesbezüglich ein starker Antreiber. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Gibt es aber auch Betriebe, wo die junge Generation sagt, sie hat keine Lust den elterlichen Betrieb zu übernehmen?</b><BR />Schölzhorn: Das gibt es auch, das gab es aber immer schon. Es ist aber nicht so, dass dieses Phänomen jetzt ausgeprägter wäre als früher, ganz im Gegenteil. Momentan geht in der jungen Generation im Gastgewerbe ein Ruck durchs Land, es gibt eine Aufbruchsstimmung, wahrscheinlich auch deswegen, weil man jetzt eineinhalb Jahre kaum etwas tun hat können wegen der Corona-Pandemie. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Ein Kollateralschaden der Corona-Pandemie war auch, dass viele Mitarbeiter in andere Branchen gewechselt haben. Wie ist es um den Nachwuchs bestellt, kommen genügend qualifizierte Mitarbeiter nach?</b><BR />Schölzhorn: Bis vor 2 Jahren ist die Zahl der Schüler in den Hotelfach- und Berufsschulen konstant gestiegen. Dann kam Corona und die Zahl ist eingebrochen. Wir hoffen, dass sich dies nun wieder ändert. Die Sommersaison hat es gezeigt und die Wintersaison wird es zeigen, dass die Berufe im Hotel- und Gastgewerbe sicher sind. Dann werden die Betriebe wieder leichter qualifizierte Mitarbeiter finden. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Sie gehen also fest davon aus, dass es heuer eine Wintersaison geben wird?</b><BR />Schölzhorn: So wie es derzeit ausschaut, sollte es mit der 3-G-Regel eine Wintersaison geben. Auch der Nordtiroler Landeshauptmann Günther Platter hat bestätigt, dass es in diesem Winter zu keinen Reiseeinschränkungen kommen wird. Das ist das Um und Auf. Einen erneuten Ausfall der Wintersaison können wir uns nicht mehr leisten, das wäre für alle, welche am Wintersport teilhaben, ein großes Problem. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Es wurde in den vergangenen Jahren immer wieder darüber diskutiert, dass sich der Tourismus in Südtirol verändern muss. Wie sehen Sie das als HGJ-Chef?</b><BR />Schölzhorn: Es wird sich etwas verändern müssen. Wir müssen einerseits die Qualität der Betriebe und der Dienstleistungen erhöhen, mit neuen innovativen Konzepten. Andererseits sollten wir die Attraktionen und Sehenswürdigkeiten in Südtirol auch in den Nebensaisonen stärker bewerben, damit sich der Tourismus in Südtirol nicht ganz so stark auf wenige Wochen im Sommer- und Winter konzentriert. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Sie meinen, damit sich der Touristenfluss auf das ganze Jahr verteilt?</b><BR />Schölzhorn: Ganz genau. Damit könnte man einen allzu großen Ansturm auf manche Destinationen ein wenig abfedern. Was künftig immer wichtiger wird, ist die nachhaltige Mobilität bzw. die nachhaltige Anreise der Gäste. Wir müssen es den Südtirol-Urlaubern noch einfacher machen, mit dem Zug zu uns zu kommen. Das ist und wird ein immer wichtigerer Buchungsgrund. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Schölzhorn: Wenn die Gäste bei ihrer Anreise stundenlang im Stau stehen müssen, dann kommen sie schon gestresst zu uns und überlegen sich ein nächstes Mal vielleicht, ob sie nicht irgendwo anders hinfahren. Deshalb müssen wir bei der Anreise verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel setzen. Aber auch in Südtirol selbst müssen wir bereut sein, die öffentlichen Verkehrsmittel besser zu nutzen. <BR /><BR /><BR /><b>Zum Beispiel?</b><BR />Schölzhorn: Wir müssen verstärkt auf den Zug als Verkehrsmittel setzen, aber auch auf Seilbahnen und E-Bikes. Wir müssen schauen, dass man weg von der Straße und hin zu einer nachhaltigen Mobilität kommt. Gleichzeitig müsste man ein Instrument schaffen, um die Touristenströme lenken zu können. Und ganz wichtig wird auch die Förderung des lokalen Wirtschaftskreislaufes sein. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Sie sprechen davon, dass die Betriebe auf lokale Produkte zurückgreifen sollten?</b><BR />Schölzhorn: Nicht nur auf lokale Lebensmittel. Wir müssen unsere Handwerker, unsere Dienstleister und unsere Bauern vor Ort fördern. Nur so können wir die lokale Wirtschaft auf Dauer stärken und einen nachhaltigen Wohlstand im Land erhalten. Gleichzeitig müssen wir unseren Mitarbeitern mehr Anreize schaffen, damit es wieder cool wird, im Gastgewerbe zu arbeiten. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Es ist momentan also uncool, im Gastgewerbe zu arbeiten?</b><BR />Schölzhorn: Nein, das nicht. Aber es braucht trotzdem einige Anreize. Ich denke da an Vergünstigungen für Seilbahnen, an Veranstaltungen nur für Mitarbeiter oder an eine eigene Community für Mitarbeiter im Gastgewerbe. Die jungen Leute müssen wieder verstehen, dass Jobs wie Kellner oder Koch schöne Berufe sind. Als HGJ werden wir entsprechende Ideen entwickeln. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Viele Jugendliche würden zwar einen Beruf im Gastgewerbe ergreifen, wollen aber nicht am Wochenende arbeiten, kann das sein?</b><BR />Schölzhorn: Ja, deshalb wäre es auch wichtig, eine Community für Mitarbeiter im Gastgewerbe zu schaffen, damit man auch unter der Woche gemeinsam etwas unternehmen kann. Und deshalb müssen auch flexiblere Arbeitszeitmodelle in Betracht gezogen werden.