Freitag, 13. Dezember 2019

Weidewirtschaft: Altes Wissen, neue Möglichkeiten

Um die Zukunft der Weidewirtschaft im Vinschgau geht es am Samstag bei einer Tagung in der Tschenglsburg.

Die Weidewirtschaft steht vor einem Wandel.
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Die Weidewirtschaft steht vor einem Wandel. - Foto: © wolf.org

Der Nachmittag am Samstag, 14. Dezember, steht unter dem Motto: „Die Zukunft der Weidewirtschaft im Vinschgau – Möglichkeiten und Potentiale innerhalb der Europäischen Union“, denn die Weidewirtschaft steht wie in den 1960er Jahren vor dem nächsten großen Wandel.

Max Rossberg, Obmann der European Wilderness Society, bringt es auf den Punkt: „Wolfspräsenz braucht professionelle Weidehaltung.“

Die Sorge um die Nutztiere ist eine Voraussetzung, doch dieser Nachmittag möchte Nutztierhaltern und Vertretern von Almen, aber auch den Verantwortlichen in der Herstellung und Verarbeitung regionaler Lebensmittel die Vielfalt der Möglichkeiten rund um die Weidebewirtschaftung aufzeigen.

Die Veranstaltung beginnt um 14.30 Uhr in der Tschenglsburg in Tschengls. Die Vorträge dauern bis etwa 16.30 Uhr.

Traditionelle Behirtung

Es geht um die Entwicklung einer umfassenderen Bewirtschaftung der Almen – auch mit Hilfe von altem Wissen. Die traditionelle Behirtung von Schafen, Ziegen, Rindern und anderen Weidetieren setzte immer Hirten voraus, sie war wichtig für Tierwohl und Tiergesundheit – und ist unabdingbar für den langfristigen Erhalt der Weideflächen, wenn der Weidegang der Nutztiere geplant und geführt wird. Die alpine Biodiversität und der Erhalt der Landschaft profitieren davon, auch die Vermarktung von Produkten aus der Weidehaltung ist Teil dieses Konzepts.

Für Almbesitzer und Nutztierhalter wird es in Zukunft entscheidend sein, einen Markt für ihre Lebensmittel (und Zusatzprodukte wie Leder oder Wolle) – die den gesuchten Kriterien wie hochwertig, authentisch, regional entsprechen – aufbauen zu können. Gerade der Vinschgau ist, aufgrund seiner geografischen Lage und seiner Beweidungstradition, prädestiniert für eine Renaissance der Weidekultur.

Über konkrete Bewirtschaftungsformen

Konkrete Bewirtschaftungsformen spricht Thomas Schranz, langjähriger Wanderschäfer und Unternehmer im Tiroler Oberland, an. Gerade für die Konsumenten sind gesicherte Informationen über die Herkunft und Haltung der Weidetiere entscheidend, denn Preise sind besonders heutzutage an Werte gebunden: Der Zusammenhang zwischen Schafen, Vegetation, Ökologie und Landschaft könne wesentlich dazu beitragen, für heimisches Fleisch einen fairen Preis zu zahlen, sagt Schranz.

Max Rossberg, Chairman der European Wilderness Society, vergleicht die in Österreich gesammelten Erfahrungen in Zaun- und Leitsystemen mit denjenigen anderer europäischer Länder. Zusammen mit Thomas Schranz aus Tirol und Rene Gomringer, langjähriger Obmann des Schafzuchtverbandes Bayern, zeigt Rossberg, wie alle – Landwirte und ihre Organisationen, Hirten, Gastbetriebe, Großabnehmer und Einzelkunden – beitragen können, die Bergwirtschaft positiv auszurichten.

Amtliche Vorgaben und Wünsche an die Politik werden ebenso angesprochen. Die anschließende gemeinsame Marende, zu der alle herzlich eingeladen sind, bietet Raum für einen informativen Austausch.

stol