<b>STOL: Herr Widmann, bislang haben sich HGV und hds die Gastronomiebetriebe in Südtirol nach Sprachgruppen aufgeteilt. Will der hds dem HGV nun doch Konkurrenz machen, indem er deutsche Gastronomiebetriebe anspricht?</b><BR />Robert Widmann: Nein, der hds macht dem HGV keine Konkurrenz. Viele Mitglieder gehören beiden Verbänden an. Ich selbst war schon HGV- und hds-Mitglied. Die Gastronomen haben aber erkannt, dass der HGV vor allem die Interessen der Hoteliers vertritt. Dies ist kein Vorwurf, aber die Hotellerie steht im Mittelpunkt. Im hds haben wir eine gute Plattform, um den Restaurants, Gasthäusern und Bars mehr Gewicht zu verleihen. Wir sind nicht eine Konkurrenz. Wir werden die Zusammenarbeit mit dem HGV aber suchen und versuchen, eine Koordinierungsstelle einzurichten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="859613_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Wie viele Bars, Restaurants und Pubs vertritt der hds eigentlich?</b><BR />Widmann: Im Moment haben wir knapp 600 Mitglieder. Wir starten jetzt eine Mitgliedskampagne und werden, so glaube ich, in kürzester Zeit die Anzahl verdoppeln. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-58047251_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Die Coronazeit liegt hinter uns, die Leute gehen wieder essen und gehen aus. Alles im Lot also bei den Restaurantbetrieben?</b><BR />Widmann: Rein von der Frequenz hat sich sicher alles wieder eingependelt. Die Teuerung macht den Betrieben aber zu schaffen. Sie können nicht alle gestiegenen Kosten an den Kunden weitergeben und sind deswegen weniger rentabel. Das kann bei verschuldeten Betrieben zur Schieflage führen.<BR /><BR /><b>STOL: Die Restaurants beklagen nicht nur die gestiegenen Kosten, sondern auch hohe Kommissionsspesen bei Essensgutscheinen. Lohnt es sich für die Mitgliedsbetriebe also kaum, Arbeiteressen anzubieten?</b><BR />Widmann: Im Moment ist das ein Riesenproblem, weil die großen national agierenden Essensgutscheinfirmen sehr ungünstige Konditionen für uns Gastwirte haben. Wir sind da leider Gefangene, weil wir zu Mittag sonst zu wenig Leute haben. Die Gewinnspanne bei einem Essen mit Essensgutscheinen ist so knapp kalkuliert, dass nicht viel für den Betreiber übrig bleibt. Ein großer Betrieb hat da Vorteile, weil er mit der Masse Gewinne generiert. <BR /><BR /><b>STOL: Was ist die Lösung?</b><BR />Widmann: Wir haben reagiert und haben eine regionale Lösung mit „monni food“ in Arbeit, die gegen Mai starten soll. Hierbei werden die Kommissionen der Essensgutscheinfirmen auf 5 Prozent begrenzt. Jetzt reichen die Kommissionen noch bis 18 Prozent. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-58047252_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Heißt das, dass der Arbeiter sein Mittagessen teurer bezahlen muss?</b><BR />Widmann: Nein. Die Arbeiter bekommen die gleichen Vergünstigungen, aber wir als Gastwirte zahlen nur eine kleine Kommission. Wer am Ende vielleicht mehr zahlen muss, sind die Betriebe, die von den Essensgutscheinfirmen bisher sehr günstige Angebote auf Kosten der Gastwirte bekommen haben.<BR /><BR /><b>STOL: Derzeit wird die verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln kontrovers diskutiert: der HGV ist gegen eine verpflichtende Kennzeichnung, die Handelskammer auch. Was sagt der hds dazu?</b><BR />Widmann: Wir glauben auch, dass eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung eher nach hinten losgehen wird. Die Idee an sich ist nicht schlecht, doch liegt der Teufel im Detail. Vor allem der bürokratische Aufwand ist gigantisch. Bei gewissen Produkten gibt es außerdem nicht die Verfügbarkeit. Wenn wir zum Beispiel nur mehr Südtiroler Fleisch verarbeiten wollen. Wenn Restaurants kein einheimisches Fleisch mehr bekommen, weil es keines mehr gibt, kann das zu einem Imageschaden für den Betrieb führen. Außerdem wird das Fleisch schnell teurer, weil die Nachfrage steigt. Das Fleisch aus Südtirol ist auch nicht unbedingt besser als das argentinische – nur der ökologische Fußabdruck ist kleiner. Die Herkunftskennzeichnung sollte deswegen auf freiwilliger Basis bleiben.