Donnerstag, 15. April 2021

Die Jugend und Corona: „Möchte, dass es zu Ende geht“

Seit Monaten sitzen Südtirols Jugendliche zu Hause. Gemeinsam mit Freunden abhängen, Fehlanzeige! Sich beim Sport oder auch live in der Schule messen, Fehlanzeige! Wie die Jugendlichen die strengen Einschränkungen und die Distanz zu Freunden im Lockdown erlebt haben, lesen Sie hier.

Keine sozialen Kontakte, ein Leben, das sich fast nur zu Hause abspielt: Südtirols Jugendliche sind frustriert.
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Keine sozialen Kontakte, ein Leben, das sich fast nur zu Hause abspielt: Südtirols Jugendliche sind frustriert. - Foto: © Shutterstock
In einer gemeinsamen Aktion des Tagblatts „Dolomiten“ und STOL wurden die Jugendlichen nämlich aufgerufen, zu berichten, wie es ihnen im Lockdown und im Fernunterricht ergangen ist und noch immer ergeht.

Amelie (15) aus Eppan

Der Lockdown erschwert uns Jugendlichen das Leben. Die Motivation aufzustehen hält sich in Grenzen, wenn sich der weitere Tagesablauf nur am Computer in online-Konferenzen abspielt. Ich komme mit dem Fernunterricht eigentlich gut zurecht, doch bald komme ich auch an meine Grenzen und möchte einfach nur noch mit meinen Klassenkameraden den Unterricht live erleben und mitgestalten. Am meisten vermisse ich den echten Kontakt zu Freunden und Schulkameraden – Ich will Erfahrungen machen und Dinge erleben, an die ich mich später zurückerinnern kann. Alleine der Gedanke, dass mir durch den Lockdown die Zeit jetzt genommen wird, macht mich traurig und ich möchte einfach nur noch, dass es zu Ende geht.
Ich hoffe auf die baldige Rückkehr zur Normalität – sogleich ich mich frage: wird es sie jemals wieder geben, werde ich noch eine „normale“ Teenagerzeit erleben?

Sofia (17) aus St. Sigmund

Wir haben jetzt schon 3 harte Lockdowns hinter uns gebracht. Ich persönlich frage mich, kommt noch ein vierter oder sogar auch noch ein fünfter ? Man weiß es nicht, es ist alles so ungewiss und genau diese Ungewissheit macht mir mehr Angst als das Virus selber.
Wie wir ja alle Wissen ist Angst ein wirklich schlechter Assistent zu einem gesunden Immunsystem aber in dieser Zeit ist die Angst ein ständiger Begleiter von uns allen und jeder hat seine eigenen individuellen Ängste über die Gesundheit sei es die körperliche als auch die mentale, die Existenz in der Arbeitswelt, die Perspektiven und Ziele die man im Leben erreichen will usw.

Anfangs, beim ersten Lockdown, sah ich das alles als eine kurze “Verschnauf - Pause“ an, von dem ganzen Schulstress und dieser hektischen Welt in der wir leben wo alles schnell gehen muss. Als dann im Frühjahr (2020) aber feststand dass die Schulen nicht mehr öffneten war es schon ein komisches Gefühl, eigenartig, traurig und irgendwie beängstigend. Ich bin am Anfang gar nicht so richtig mitgekommen was da eigentlich um mich alles passiert und da draußen in der Welt.

Mittlerweile sind wir vom dritten Lockdown mehr oder weniger wieder befreit. Das alles geht aber schon ein Jahr lang, ein ständiges auf und ab und das ist ermüdend und belastend. Der Fernunterricht von Anfang Februar war bis jetzt für mich der schwerste von allen, ich hatte viele Tage an denen ich nichts mehr tun und alles hinschmeißen wollte. Wenn nochmals ein längerer Bildungslockdown kommt dann halte ich es nicht mehr aus. Schon einmal die Vorstellung danach ist fast schon unerträglich, jeder Tag fühlte sich gleich an und man lebte vor sich hin.

Früher habe ich mir manchmal einen Vogel als Haustier in einem Käfig gewünscht, jetzt weiß ich aber das es einem eingesperrten Vogel, auch wenn er so viel trinken und essen könnte wie er möchte, nicht gut geht, denn es fehlt in an einer essenziellen Sache die wir (alle) im Leben brauchen: Geborgenheit, soziale Kontakte, körperliche Nähe und vor allem Umarmungen (mindestens 4 am Tag), also zusammengefasst: Liebe, denn das kann man auf die Dauer nicht mit der Technik und unserer heutigen “Digitalen - Welt“ ersetzen. Noch einen weiteren Lockdown würden viele nichtmehr ertragen.

dolo/stol

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