Montag, 19. April 2021

Die Jugend und Corona: „Wir haben es satt, immer büßen zu müssen!“

Monate lang saßen auch Südtirols Jugendliche zu Hause. Gemeinsam mit Freunden abhängen, Fehlanzeige! Sich beim Sport oder auch live in der Schule messen, Fehlanzeige! Wie die Jugendlichen die strengen Einschränkungen und die Distanz zu Freunden im Lockdown erlebt haben, lesen Sie hier.

Keine sozialen Kontakte, ein Leben, das sich fast nur zu Hause abspielt: Südtirols Jugendliche sind frustriert.
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Keine sozialen Kontakte, ein Leben, das sich fast nur zu Hause abspielt: Südtirols Jugendliche sind frustriert. - Foto: © shutterstock
In einer gemeinsamen Aktion des Tagblatts „Dolomiten“ und STOL wurden die Jugendlichen nämlich aufgerufen, zu berichten, wie es ihnen im Lockdown und im Fernunterricht ergangen ist.

Samuel (20) aus Bruneck:
Der Lockdown hat mein Leben und das Leben aller Jugendlichen stark verändert. Ich habe im Oktober angefangen in Innsbruck zu studieren und konnte seitdem nicht oft die Uni in Präsenz genießen. Ich habe mich trotzdem gut eingelebt, aber das Problem von uns Jugendlichen und von uns Studenten ist, dass uns unsere Freunde fehlen, wir wollen frei sein unser Leben selbst zu gestalten. Wir können nicht einfach herumsitzen und warten, bis wir wieder zusammen sein können, wir können nicht warten bis uns die Discos wieder zusammenbringen, wir können nicht so unsere besten Jahre verlieren und dies geschieht leider gerade. Wir haben diese Situation lange genug ausgehalten, doch es wird Zeit, dass sich etwas ändert.


Felix (15) aus Kaltern:
Aus meiner Schülerperspektive betrachtet war der Lockdown und damit einher ziehend der Fernunterricht eine recht träge und auch schwierige Zeit. Das größte aller Probleme war sicherlich die Einsamkeit von welcher man geplagt wurde, als man seine Klassenkollegen anstatt täglich plötzlich gar nicht mehr sah. Ein anderer Aspekt, welcher durchaus problematisch war, ist sicherlich die Lustlosigkeit gewesen, hervorgebracht durch den Mangel an Lernzielkontrollen und der Tatsache, dass man seine Lehrer und Kameraden nie in Persona sah und dadurch jegliche Motivation fehlte sich anzustrengen. Es gab also meiner Meinung nach wenige positive Aspekte des Fernunterrichts per se, der jetzige 75 Prozent Unterricht findet jedoch sowohl bei mir, als auch bei vielen meiner Klassenkollegen Anklang, vor allem dadurch, dass man auf diese Weise zwei Tage in einer Woche mehr länger schlafen kann und dann motiviert in den online Unterricht gehen zu können, da man an den nächsten zwei Tagen dann wieder in Präsens unterrichtet wird.


Daniela (14) aus Meran:

Der erste Lockdown war letztes Jahr für uns Schüler sehr schwer und eigenartig. Im Fernunterricht konnte man mit Freunden nichts tun außer Videochatten. Der richtige Kontakt hat deutlich gefehlt. Wegen dieser ganzen Situation konnten wir Mitschüler und Freunde uns nicht von einander verabschieden. In meinem Fall sind wir im Herbst alle in verschiedene Schulen gekommen, das war besonders niederschlagend. Das neue Schuljahr bestand hauptsächlich aus Fernunterricht. Klassenkameraden die man nicht kannte, hatte man auch nicht die Zeit besser kennenzulernen. Die zahlreichen Videokonferenzen sind anstrengend und man muss mit dem Stoff schnell mitkommen. Den Jugendlichen wurden wichtige Momente verweigert. Wir verbrachten lange Zeit ohne Freunde und ohne Spaß. Jetzt hoffen wir, dass sich Dies ändert.


Caterina aus Schleis:

Uns werden immer und immer wieder neue Sachen versprochen, bald hat alles ein Ende! Von dem bekommt die Jugend gar nicht’s zu spüren. Immer sind wir die Opfer, wegen uns steigen die Zahlen... Wir haben es satt, immer büßen zu müssen! Wir dürfen zu Hause sitzen und schauen, wie wir zu unserer Bildung kommen. Feiern, Freunde treffen, Reisen, ja sogar Sport wird uns verboten! Ich kann mir kein normales Leben mehr vorstellen, wo ich ohne Maske oder ohne Abstand meine Freunde treffen kann und die Jugend genießen kann! Bestraft werden wir für alles, was wir machen, und in solchen Zeiten spricht man von Zusammenhalt? Aber die Jugend wurde vergessen!

Hier weitere Meinungen und Erfahrungen der Jugend.

stol