Was ihm bleibt ist der letzte Anruf von Alessia, der ihn im Morgengrauen nur Minuten vor der Tragödie erreichte. Indes kommen weitere Details zum <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/riccione-2-junge-frauen-beim-ueberqueren-der-gleise-von-zug-erfasst" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Unfallhergang</a> und den letzten Minuten im Leben der Mädchen ans Licht.<BR /><BR />Er lebte für seine kleinen Mädchen Giulia und Alessia, 17 und 15 Jahre alt, die am Sonntagmorgen im Bahnhof von Riccione ein jähes und viel zu frühes Ende fanden. „Sie waren mein Leben, ich habe nur für sie gearbeitet“, wiederholt Vater Vittorio vor Freunden und Verwandten laut repubblica.it. die ihn derzeit keinen Moment lang in dem gelb-roten Haus allein lassen. In dem Haus, das zu Weihnachten so schön beleuchtet war, dass alle Dorfbewohner es besuchten, einem Haus mit gepflegten Garten inmitten von Zucchini- und Maisfeldern am Rande des Dorfes Castenaso, am Rande von Bologna. Vater Vittorio ist tief gezeichnet und kommt nicht zur Ruhe: „Ich habe sie diesmal nicht abgeholt, weil ich mich nicht wohl gefühlt habe.“ Sonst tat er dies immer, wenn seine Töchter tanzen gingen.<BR /><BR />Was ihm bleibt, ist der letzte Telefonanruf von Alessia, der Jüngsten, die kurz vor 7 Uhr am Sonntagmorgen ihrem Vater mitteilte, dass sie und ihre Schwester zum Bahnhof gingen und bald nach Hause kommen würden.<BR /><BR /><b>Schwester der Opfer: „Sie waren meine kleinen Mädchen“</b><BR /><BR />Gestern Abend kam auch die Mutter der beiden toten Mädchen mit einem Flug aus Bacau in Italien an. Sie hatte ihre Familie im vergangenen Dezember verlassen, um in ihre Heimat Rumänien zurückzukehren. Ihre älteste Tochter Stefania, 23, die aus einer früheren Beziehung stammt, und die Vittorio Pisano wie seine eigene großgezogen hat, betrauert ihre Schwestern laut einem Bericht von repubblica.it mit folgenden herzzerreißenden Worten: „Sie waren meine Kleinen, meine große Liebe“. <BR /><BR /><b>Keine gute Nacht bei „Peter Pan</b>“<BR /><BR />Die Nacht stand unter keinem guten Stern. Die beiden Mädchen waren am Samstagnachmittag in Riccione angekommen und hatten den Abend in der Disco „Peter Pan“ verbracht. Jemand hatte Giulias Handtasche mit ihrem Portemonnaie und ihrem Mobiltelefon gestohlen, und so fanden sich die beiden Schwestern am Sonntagmorgen allein, mittellos und weit weg von zu Hause wieder. Alessia hatte zwar noch ihr Telefon, aber es war tot. Ein 24-jähriger Mann hatte sie bemerkt, sie vor dem Club auf dem Boden sitzen sehen und ihnen angeboten, sie mitzunehmen. Als sie im Auto saßen, hatte er ihnen auch sein Handy geliehen, und so hatte Alessia den Anruf getätigt: „Papa, wir kommen bald zurück“. Von der Bahnpolizei zurückverfolgt, sagte der junge Mann aus, dass die beiden Mädchen sehr müde wirkten und sich über den Diebstahl ärgerten, aber in guter psycho-physischer Verfassung gewesen seien.<BR /><BR /><b>Am Bahnhof um 6.50 Uhr</b><BR /><BR />Um 6.50 Uhr waren sie am Bahnhof. Dies wurde von Zeugen bestätigt, unter anderem von einem Barbesitzer, der gerade den Automaten auffüllte und dem Giulia die Geschichte des Diebstahls erzählte, bevor sie wieder zu Alessia ging. Diese soll barfuß gewesen sein und ihr Paar schwarze Stiefel in der Hand gehalten haben. <BR /><BR />Nach der Rekonstruktion der Bahnpolizei war es Giulia, die als erste auf die Gleise ging. Alessia hatte sich auf den Bahnsteig gesetzt, vielleicht um die fünfzig Zentimeter Höhenunterschied zu überwinden, die sie von den Gleisen trennten, um sich ihrer Schwester anzuschließen. <BR /><BR />Der Barbesitzer schrie ihr noch nach: „Was machst du da, lass das“. Andere Zeugen sagen, sie habe auf den Gleisen gesessen, aber das kann auch eine Verwechslung sein. Der Quästor Rosanna Lavezzaro erklärt gegenüber repubblica.it, dass alles sehr schnell ging und dass die Unstimmigkeiten der Zeugenaussagen in den Details und nicht im Inhalt liege.<BR /><BR /><b>Der Fahrer betätigte die Bremse</b><BR /><BR />Sicher ist, dass der Lokführer des in Richtung Mailand fahrenden Frecciarossa-Zuges, Giulia auf den Gleisen stehen sah und sofort die Hupe und die Bremse betätigte. Aber Hochgeschwindigkeitszüge fahren mit 200 Kilometern pro Stunde. Ein Ding der Unmöglichkeit, den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Dann erblickte der Lokführer auch Alessia, die Jüngere, die ebenfalls auf den Gleisen stand. Er hatte den Eindruck, dass sie den Zug bemerkt und sich umgedreht hatte, als wolle sie zurückgehen. Aber es war zu spät. „Ich habe einen gewaltigen Knall gehört und dann haben alle geschrien“, sagte der Barbesitzer. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/tragisches-unglueck-eine-schwester-versuchte-noch-die-andere-zu-retten" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Ein Knall, eine Explosion wie bei einer Bombe“, bestätigte Stefano, ein 32-jähriger junger Mann, der den Ermittlern auch erzählte, er habe gesehen, wie das eine Mädchen dem anderen die Hand hinhielt, als wolle es sie retten.</a><BR /><BR /><b>Die Leichen wurden 700 Meter weit geschleift</b><BR /><BR />Der Zug schliff die Mädchen 700 Meter weit, bevor er zum Stehen kam. Es bricht einem das Herz, wenn man nicht einmal toxikologische Untersuchungen veranlassen kann, um den psychophysischen Zustand der beiden Schwestern zu klären. Es bleiben also Zweifel: Waren sie bei klarem Verstand? Was wollten sie tun? Die Gleise überqueren? Antworten, wenn es welche gibt, können nur von Zeugen kommen, von Menschen, die man am Abend getroffen hat, von Freunden einer Nacht. <BR /><BR />Und doch haben die Menschen in den sozialen Medien bereits ihre Urteile gefällt: harte Urteile, die die Mädchen des Leichtsinns beschuldigen und auch die Familie. Die Gemeinde Riccione musste aufgrund dieses respektlosen Umgang mit der Tragödie die Kommentare unter einem Beileid-Posting blockieren: „Wir glauben, es ist Zeit zu schweigen“.<BR /><BR />