Gestern wurde seine Festnahme aufgrund eines europäischen Haftbefehls bestätigt, der Unistudent gab sein Einverständnis zur Auslieferung in die Heimat. Dies soll die Übergabe an die italienische Justiz beschleunigen. 2 Wochen könnte es maximal dauern, bis Turetta ausgeliefert wird. Dann werden die Carabinieri den 22-Jährigen in ihre Obhut nehmen und ihn an Bord eines Flugzeugs nach Rom bringen. <BR /><BR />Indes berichtete Emanuele Compagno, der Anwalt der Familie Turetta, gestern, dass der junge Mann nach einer über einwöchigen Flucht sehr mitgenommen sei. Er war auf der Autobahn A9 unweit von Leipzig festgenommen worden, weil ihm das Benzin ausgegangen war und er kein Geld mehr fürs Tanken hatte. Wohin Turetta eigentlich wollte, ist noch unklar. <BR /><BR />Die Anklage gegen den Studenten der Biomedizintechnik an der Uni Padua lautet auf erschwerte vorsätzliche Tötung und auf Entführung, sagte Venedigs Generalstaatsanwalt Bruno Cherchi gestern. Turetta war vor dem Fund von Giulias Leiche versuchter Mord vorgeworfen worden. Cherchi betonte gestern, dass der Fund ihres Leichnams mit vielen Messerstichen in Kopf und Hals „eindeutig die Änderung der Anklage erforderlich macht“. Die Anklage wegen Mordes sei aber ebenfalls nur vorläufig und könne sich aufgrund der gerichtsmedizinischen Untersuchungen und der Aussage von Turetta noch ändern. Cherchi will erst nach Autopsie und weiteren Ermittlungen die Anklage definitiv formulieren.<h3>Vater von Filippo und Vater von Giulia in Kontakt</h3>Der Vater von Filippo, <b>Nicola Turetta</b>, trat gestern nach einem ersten kurzen Aufeinandertreffen am Sonntagabend bei einem Trauerzug in Vigonovo – dem Ort, in dem Giulia lebte – erneut in Kontakt mit Gino Cecchettin, dem Vater der toten Giulia. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="965917_image" /></div> <BR /><BR />Während einige Medien von einem kurzen Telefonat sprachen, berichten andere von einer Textnachricht, in der Nicola Turetta „das größte Mitgefühl für Ihren Schmerz und eine starke Verbundenheit“ ausgedrückt und um „Vergebung“ gebeten haben soll; weiters soll Filippos Vater hinzugefügt haben, dass sein Sohn „für das, was er getan hat, bezahlen muss“. Er und seine Familie seien „immer noch schockiert über das, was passiert ist, über das, was unser Sohn getan hat... Wir können nicht verstehen, wie er so etwas tun konnte, ein Junge, dem wir alles zu geben versuchten“, hatte Nicola Turetta – der bis gestern Abend noch keinen Kontakt zu seinem Sohn hatte – am Sonntagabend betont. „Wir sprechen Giulias Familie, der wir sehr nahe stehen, unser tiefes Beileid aus. Ich bin froh, dass er (Filippo, d. Red.) nach Hause kommt. Ich werde ihn zurückholen, aber der arme Gino steht ohne seine Tochter da. Es sind 2 völlig unterschiedliche Arten von Schmerz.“<h3> „Ich denke nur an meine Giulia“</h3>Giulias Vater <b>Gino Cecchettin</b> betonte gestern gegenüber Reportern: „Ich fühle keine Wut, ich fühle gar nichts. Ich denke nur an meine Giulia, die nicht mehr bei uns ist.“ Vor 7 Jahren hatte Gino bereits seine an einem Tumor erkrankte Frau verloren.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="965920_image" /></div> <BR /> „Einmal mehr fällt die große Würde auf, die beide Familien in dieser tragischen Situation zeigen“, berichtete Compagno, der Anwalt der Familie Turetta. „Der Wortwechsel zwischen den beiden Vätern fand in gegenseitigem Respekt statt – in demselben Respekt, der auch in den Tagen vor und nach dem Auffinden von Giulias Leiche gewahrt wurde.“<BR /><BR />Giulia Cecchettins, die am Donnerstag ihre Diplom-Arbeit hätte vorstellen sollen, soll an der Uni Padua, an der sie studierte, gedacht werden. „Wenn die Zeit reif sein wird, werden wir uns mit der Familie in Verbindung setzen, um eine Zeremonie abzuhalten, wann und wie sie es wünscht“, sagte die Rektorin der Universität, Daniela Mapelli, während einer Konferenz an der Uni, die mit einer Schweigeminute zum Gedenken an Giulia begann.<BR /><BR />Außenminister Antonio Tajani sagte, Giulia solle der Ehrendoktortitel der Universität verliehen werden: „Ich denke, wir sollten Giulia einen Titel ‚honoris causa‘ verleihen.“ Das Außenministerium werde Stipendien für Ausländer einrichten, „die ihren Träumen folgen wollen, wie Giulia es getan hat“. <BR /><BR />Bildungsminister Giuseppe Valditara erläuterte, dass heute in allen italienischen Schulen eine Schweigeminute in Giulias Andenken gehalten werden soll.<BR /><BR />