Eine Kombination aus mehreren Lawinenproblemen hat am Mittwoch zum Lawinenunglück in Innerratschings geführt. <BR /><BR /><b>Nach dem Lawinenunglück in Ratschings fragen sich viele Skitourengeher, ob sie am Wochenende eine Tour wagen können. Wie ist die Lage aktuell?</b><BR />Lukas Rastner, den die Interview-Anfrage bei der Abfahrt vom Lawinenkegel erreicht hat, antwortet: Die Lage ist aktuell insgesamt ziemlich schwer einzuschätzen. Es sind im Moment viele unterschiedliche Lawinenprobleme zu bedenken: Dort, wo sich die Schneedecke noch nicht stabilisiert hat – vor allem im hochalpinen Gelände – ist weiterhin auf den Triebschnee und trockene Lawinen zu achten. In tiefen Lagen sind aufgrund der Anfeuchtung, der Wärme Gleit- und Nassschneelawinen möglich. Beim Lawinenunfall in Ratschings hat auch noch ein Altschneeproblem mitgespielt, das schwer einzuschätzen ist. Und – wie in diesem Fall – hat die Lawine auch Teile der Altschneedecke mitgerissen.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Was meinen Sie mit Altschneeproblem?</b><BR />Rastner: Die Lawinenwarndienste arbeiten europaweit nach einheitlichen Standards. Die EAWS, die Vereinigung der europäischen Lawinenwarndienste, hat vor etwa 30 Jahren die 5 Gefahrenstufen eingeführt, damit der Lawinenbericht europaweit gleich interpretierbar ist. Seit ein paar Jahren gibt es zudem die 5 Lawinenprobleme, die auf der Homepage lawinen.report genau beschrieben sind. Die Gefahrenstufe allein ermöglicht noch keine Einschätzung der Lawinensituation. Es kann etwa sein, dass es sehr viel geschneit hat und Gefahrenstellen nicht leicht sichtbar sind. Hier spricht man von einem Neuschneeproblem. Bei Schwachschichten in der Schneedicke innen, die langlebig sein können, spricht man von einem Altschneeproblem.<BR /><BR /><b>Das klingt kompliziert.</b><BR />Rastner: Ist es auch. Mit den 5 Lawinenproblemen probiert man, dem Skitourengeher ein Hilfsmittel zu geben, ihm etwa zu sagen, wenn du Triebschneepakete im Gelände erkennst, kannst du dich entsprechend verhalten. Im Lawinenreport finden sich Verhaltensempfehlungen. Wir geben Gefahrenstufen und Lawinenprobleme anhand von Icons aus. Wer diese kennt, weiß, wie er sich im Gelände verhalten muss.<BR /><BR /><b>Setzen Altschneeprobleme eine gewisse Erfahrung voraus?</b><BR />Rastner: Ja. Sie sind schwer erkennbar und setzen ein gewisses Wissen voraus. Wir appellieren deshalb immer: Bitte macht Kurse, damit ihr Begriffe wie Trieb- und Nassschnee unterscheiden könnt, und damit ihr vor allem wisst, wie man die verschiedenen Probleme auch im Gelände erkennen kann. Lest den Text im Lawinenreport durch. Eine Tourenplanung anhand einer Gefahrenstufe allein ist sinnlos und funktioniert nicht.<BR /><BR /><b>Zurück zu Ratschings. Es herrschte Gefahrenstufe 3?</b><BR />Rastner: Ja, es gab ein Triebschneeproblem mit einem schwachen Altschneeproblem oberhalb der Waldgrenze, unterhalb der 2600 Höhenmeter ein Gleitschneeproblem. Und wahrscheinlich auch noch ein Nassschneeproblem, weil es relativ feucht war. Es war lawinentechnisch eine spezielle Situation. Die Tour ist eigentlich relativ einfach und sicher. Die Tourengeher haben leider einen Steilhang gefunden, den sie ausgelöst haben.<BR /><BR /><b>Was empfehlen Sie nun für das Wochenende?</b><BR />Rastner: Am Freitag, 1. März, dürften 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee fallen. Wo er trocken fällt, schön pulvrig ist und Wind weht, verschärft sich das Triebschneeproblem. Insgesamt wird die Lawinengefahr ansteigen, wenn auch nicht markant. Am Sonntag wird mehr Niederschlag erwartet. Da muss ich auf den täglichen Lawinenreport verweisen, der täglich um 17 Uhr für den Folgetag aktualisiert wird. Zu sagen ist: Wenn der Schnee das Problem ist, ist das Gelände die Lösung. Man muss die Touren der Lawinen- und Wettersituation, den Sichtbedingungen anpassen.<BR /><BR /><b>„D“: Gibt es auch Richtlinien für das Fahrverhalten im Hang?</b><BR />Rastner: Mehrfachverschüttungen gilt es zu verhindern, indem man große Abstände in Steilhängen hält. Sollte sich eine Lawine lösen und eine Person verschüttet werden, kann so die Kameradenrettung funktionieren. Bis die Bergretter vor Ort sind, kann es leider zu spät sein. Alle Details zur Lawinengefahr im Land auf „lawinen.report“.