Das Nazi-Regime war während des Zweiten Weltkrieges in ganz Europa auf der Jagd nach Gold, Devisen und Kunstschätzen gewesen, um die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten. <BR /><BR />Gold war im Lauf der Kriegsjahre für das Deutsche Reich immer wichtiger geworden: Gold aus den besetzten Ländern hielt die allgemeine Wirtschaft und die Kriegsmaschinerie am Laufen. Zahlreiche Dienststellen waren auf der Jagd nach Gold, Devisen und Kunstschätzen. <BR /><BR />Eine übergeordnete und regelnde Instanz gab es nicht, und so ist es bis heute nicht genau geklärt, wer – in Abstimmung mit den italienischen Verantwortlichen – den Befehl gab, Gold der Banca d'Italia zunächst nach Mailand und dann in die Festung Franzensfeste zu bringen. Der Generaldirektor der Banca d'Italia, Vincenzo Azzolini, leistete jedenfalls keinen offenen Widerstand.<h3> Aus den Kellern der Banca d'Italia in Rom</h3> Wie und wann das italienische Gold in die Festung kam, ist ziemlich gut dokumentiert. Gesichert ist, dass aus den Kellern der Banca d'Italia in Rom am 22. und am 28. September 1943 „626 Tönnchen mit Gold und Platin sowie 543 Beutel mit gemünztem Gold“ in den Verwaltungssitz der Bank in Mailand gebracht wurden. <BR /><BR />So ist es in den Aufzeichnungen der Reichsbank nachzulesen, die im Historischen Archiv der Deutschen Bundesbank aufbewahrt werden. Genaue Gewichtsangaben fehlen in dem Vermerk, doch es ist anzunehmen, dass die entnommenen Goldreserven ein Gewicht zwischen 116 und 125 Tonnen hatten. <h3> Der „Goldstollen“ in der Festung</h3>Doch warum wurde das Gold anschließend nach Franzensfeste gebracht? Der Grund dürfte im Misstrauen gegen die Repubblica Sociale Italiana (RSI) gelegen haben – die Nationalsozialisten glaubten wohl, das Gold besser unter Kontrolle zu haben, wenn sie es in der „Operationszone Alpenvorland“, zu der auch Südtirol gehörte, lagerten. <BR /><BR />Bei der Entscheidung, das Gold in die Franzensfeste zu bringen, hatte auch Joachim von Ribbentrop, Reichsminister des Auswärtigen, mitgewirkt. Dort sollte es unter italienischer Bewachung bleiben, kontrolliert durch SD-Leute und eine Vertrauensperson des Auswärtigen Amtes. Rudolf Rahn, der Generalbevollmächtigte des Deutschen Reiches in Italien, erwirkte von Benito Mussolini die Zustimmung für die Verlagerung des Goldes in die Festung. <BR /><BR /> Am 16. Dezember 1943 erfolgte schließlich die Einlagerung des Goldes in der Festung Franzensfeste in einem Stollen neben der Kapelle, der heute „Goldstollen“ genannt wird. Zuvor war in der Festung noch eine „Zweigstelle Festung“ der Banca d'Italia eingerichtet worden. <BR />Der Transport von Mailand nach Franzensfeste und die Einlagerung des Goldes erfolgten wahrscheinlich mit Soldaten eines sogenannten „Russischen Bataillons“: „Hilfswilligen“ aus den besetzten Gebieten, die verschiedene Hilfsdienste für die Wehrmacht versahen. <BR /><BR />Damit das Ganze im Schein einer Legalität vonstattengehen konnte, musste ein Vertrag her. Im sogenannten „Rahn-Mazzolini-Abkommen“ vom 5. Februar 1944 wurde vereinbart, den „frei verfügbaren Goldbestand der Banca d’Italia für Zwecke der gemeinsamen Kriegsführung“ zu nutzen. Angesichts der realen Kriegssituation im Frühjahr 1944 konnte allerdings nicht mehr von einer „gemeinsamen Kriegsführung“ gesprochen werden. Dass das Gold als „Beitrag zum deutschen Kampf an der Ostfront“ oder als „Ausgleich für die deutschen Besatzungskosten“ zu sehen ist, kommt sicherlich der Wahrheit näher. <h3> 3 Goldladungen verlassen die Festung</h3>In der Folge wurde 3 Mal Gold aus den Beständen der Festung Franzensfeste entnommen, was gut dokumentiert ist. <BR />Am 29. Februar 1944 übergaben die Beauftragten der Banca d'Italia „175 Tönnchen mit Goldbarren und 435 Beutel mit Goldmünzen“ an Reichsbankdirektor Maximilian Bernhuber zum Transport zur Reichsbank nach Berlin. <BR /><BR />Bekannt ist, dass von dieser ersten Goldentnahme das Auswärtige Amt von Ribbentrop 135 Beutel zur Deckung „diplomatischer Ausgaben“ erhielt. Dabei handelte es sich angeblich um 9 Tonnen Gold. Gemeint war wohl die Finanzierung von Spionage und Sabotage durch die deutschen Auslandsvertretungen. <BR /><BR />Aus den Goldbeständen in der Franzensfeste wurde am 19. April 1944 zum zweiten Mal Gold entnommen, es sollen etwa 23 Tonnen gewesen sein. Sie gingen an die Schweizer Nationalbank und an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Es handelte sich dabei um die Sicherungsleistung für Kredite, die Italien 1940 und 1942 gewährt worden waren. <BR /><BR />Die dritte Goldentnahme aus der Festung erfolgte im Herbst 1944, als die Endphase des Zweiten Weltkriegs bereits begonnen hatte. Am 21. Oktober brachte Reichsbankdirektor Bernhuber weitere „135 Tönnchen und 53 Kisten“ auf den Weg nach Berlin. <BR /><BR />Spätestens Anfang 1945 begann die Reichsbank damit, die in Berlin gelagerten Edelmetalle in noch unbesetzte Gebiete zu schaffen. Ein Großteil des Goldes der Reichsbank wurde in die Kalimine „Kaiseroda“ in Thüringen gebracht. Auch das Gold des Auswärtigen Amtes, darunter Münzsäcke der Banca d'Italia, war in den letzten Kriegswochen versteckt worden. <h3> US-Soldaten besetzen die Festung und finden Gold</h3>Am 20. April 1945 gab es einen letzten Bombenangriff auf die Franzensfeste. Wenige Tage nach der deutschen Kapitulation in Italien besetzten Soldaten der 85th US-Infanterie-Division die Festung. Dort entdeckten sie in dem mit einer Panzertür verschlossenen Stollen in Kisten und „Tönnchen“ verpackt knapp 24,7 Tonnen des italienischen Währungsgoldes. Sie wurden im Oktober 1947, also vor genau 75 Jahren, offiziell an Italien zurückerstattet.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="720950_image" /></div> <BR /><BR />Was sagt Uwe Ringleb zu den Gold-Mythen aus der Franzensfeste?<BR /><BR /><b>Wie sind die Mythen um den Goldschatz in der Festung zustande gekommen?</b><BR />Uwe Ringleb: Das entnommene Gold, das in die Schweiz geliefert wurde, ist als Ersatzleistung für Kreditausfälle gut dokumentiert. Die Verwendung und der Verbleib des Goldes, das von der Franzensfeste nach Berlin gebracht wurde, sind weniger klar und verlieren sich in Vermutungen bzw. vagen Informationen. Besonders durch die vielen „Umlagerungen“ in den Wirren der letzten Kriegsmonate. Vieles wird im Dunkel der Geschichte und in irgendwelchen Verstecken begraben bleiben. Ein Umstand, der zum Geschichtenerfinden einlädt. <BR /><BR /><b>Erzählen Sie uns von einem dieser Gold-Mythen!</b><BR />Ringleb: Da gibt es etwa die Geschichte um einen geheimnisvollen Zug aus Kotor in Montenegro, der mit Tonnen voll Gold beladen kurz vor Kriegsende durchs Pustertal in die Franzensfeste gerollt sein soll. Diese Geschichten sind nett zu lesen, doch mit den realen Ereignissen hat das wenig bis nichts zu tun. Einen „Goldzug“ aus Montenegro gab es zwar, aber der blieb schon in Triest stecken. Ein „Goldzug“ aus Ungarn, voll beladen mit Raubgut, rumpelte im Frühjahr 1945 zwar wirklich durch Tirol und stand 2 Wochen in Hopfgarten, aber nicht – wie spekuliert wird – in der Festung. <BR /><BR /><b>Es werden auch Berechnungen angestellt, wie viele Tonnen Gold abzüglich der 3 belegten Entnahmen und dem von den US-Amerikanern gefundenen Gold noch in der Festung sein müssten...</b><BR />Ringleb: Zum Gewicht des Goldes, das in die Festung gebracht wurde, werden Angaben zwischen 116 und rund 125 Tonnen gemacht. Doch eine genaue Mengenangabe zu erhalten, ist schwierig. Denn: Beziehen sich die Gewichtsangaben auf das gesamte Gewicht (unterschiedliche Legierungen) oder auf Feingold? Wenn Geldwerte in Reichsmark, Dollar, Lire oder Schweizer Franken angegeben werden: Welcher Kurs bzw. welcher Goldpreis liegt dem zugrunde? Es ist aber davon auszugehen, dass nach Kriegsende in der Festung noch nach verstecktem Gold gesucht wurde. <BR /><BR /><b>Glauben Sie, dass der genaue Verbleib des Goldes aus der Festung, das nach Berlin ging, jemals geklärt werden kann?</b><BR />Ringleb: Viele relevante Dokumente und Akten aus jener Zeit sind „verschwunden“. Die Aussagen Beteiligter in den Verhören des Nürnberger Kriegsgerichtes blieben auch in Sachen Gold nur im Ungefähren. Eine objektive Aufarbeitung ist schwierig, wäre aber im Rahmen einer Dissertation sicher interessant.<BR /><BR /><embed id="dtext86-52132164_gallery" /><BR /><BR /><BR />