In einer Woche wird das Europäische Parlament gewählt. Wahlberechtigt sind rund 350 Millionen EU-Bürger und Bürgerinnen, die mindestens 18 Jahre alt sind. In 5 Ländern liegt die Altersbeschränkung jedoch tiefer: Griechenland erlaubt ab 17 Jahren, Malta, Belgien, Österreich und Deutschland, sogar ab 16 Jahren zu wählen. Schade, dass Südtirol nicht dazugehört, denn es wäre längst an der Zeit, auch hier Wahlen ab 16 zu ermöglichen.<BR /><BR />Nun werden bei vielen Gegnern die Alarmglocken läuten und das gleiche Gegenargument vorgespielt, ähnlich wie das Tonband einer alten Kassette: Jugendliche hätten nicht genügend Reife, Vernunft und Erfahrung, um solche fundierten Entscheidungen zu treffen. Es stimmt zwar aus neurowissenschaftlicher Sicht, dass das Gehirn von Jugendlichen nicht ganz entwickelt ist. Der präfrontale Kortex, verantwortlich für das rationale Denken, ist erst Mitte 20 voll entwickelt.<BR /><BR /> Doch was ebenfalls stimmt – von den Gegnern aber verschwiegen wird – ist, dass diese Gehirnregion mit Ende 20 auch wieder schrumpft. Wenn man also schon argumentiert, nur wählen zu können, wenn das Gehirn voll entwickelt ist, müsste man bereits ab Ende 30 wieder die Wahlberechtigung entziehen. Ebenfalls sinnfrei ist das Gegenargument, dass Jugendliche sich einseitig informieren und leicht manipulieren lassen. Denn Gleiches gilt auch für manch so einen Erwachsenen.<BR /><BR />Doch was spricht nun für ein Wahlrecht ab 16 Jahren?<BR /><BR />Zuallererst wirkt eine Herabsetzung der Altersbeschränkung dem demographischen Wandel entgegen. Südtirol wird immer älter und damit auch seine Wähler. Um folglich den immer größer werdenden Teil der älteren Wählerschaft auszugleichen, ist eine Herabsetzung unbedingt notwendig.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65026590_quote" /><BR /><BR />Eine Herabsetzung würde aber auch auf der Angebotsseite etwas bewirken: Parteien müssten bei einem Wahlrecht ab 16 der Jugend mehr Gehör schenken und die Wünsche und Anliegen ernst nehmen, um Stimmen zu bekommen. Das hätte womöglich eine komplette Neuausrichtung bestehender Parteien zur Folge, die sich derzeit auf ihre Stammwählerschaft – den Älteren – fokussiert.<BR /><BR />Und zu guter Letzt würde ein Wahlrecht ab 16 das politische Interesse und die politische Bildung der Jugendlichen fördern. Denn wer mitspielen darf, der wird auch mehr Interesse zeigen. Was es dann aber braucht, um Jugendliche zu verantwortungsbewussten Wählern zu erziehen, ist eine entsprechende Vorbereitung in den Schulen. Sie setzt den Grundstein dafür, dass man dann auch bereits mit 16 Jahren mit entsprechendem Verantwortungsbewusstsein das Kreuzchen am Wahlzettel zeichnet.<BR /><BR /> <a href="josef.bertignoll@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">josef.bertignoll@athesia.it</a>